Bahn zahlt Hitze-Opfern 500 Euro in bar | < zuruck
Autor: admin @ Mi Jul 21, 2010 3:45 pm
Klimaanlagen-Ausfälle Bahn zahlt Hitze-Opfern 500 Euro in bar
Die Bahn reagiert auf Kritik und stockt ihre Entschädigungszahlungen an Hitze-Opfer auf: Fahrgäste, die wegen defekter Klimaanlagen ins Krankenhaus mussten, können auf eine Entschädigung von 500 Euro in bar hoffen. Bislang hatte das Unternehmen nur Gutscheine in geringerem Wert geboten.
Berlin - Die Deutsche Bahn erhöht nach öffentlicher Kritik die Entschädigungszahlungen für Fahrgäste aus überhitzten ICE-Wagen. So sollen Betroffene, die wegen ausgefallener Klimaanlagen ernste Gesundheitsprobleme bekamen und ärztlich versorgt wurden, 500 Euro in bar erhalten. Das erfuhr SPIEGEL ONLINE am Mittwoch aus dem Umfeld des Konzerns.
Bislang hatte die Bahn für diese Gruppe lediglich das Anderthalbfache des Fahrpreises in Form von Reisegutscheinen zugesagt. Die jetzt genannte Summe übertrifft sogar die Forderungen der Verbraucherverband-Bundeszentrale von 300 Euro. Einzelheiten zu den aufgestockten Entschädigungen wollte die Bahn im Laufe des Tages bekanntgeben. Das Versagen von Klimaanlagen in Zügen ist am Donnerstag Thema eines Spitzentreffens von Bahnchef Rüdiger Grube und Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) mit Mitgliedern des Bundestagsverkehrsausschusses.
Derweil kritisierte Konzernchef Rüdiger Grube die ICE-Hersteller wegen des schlechten Zustands der Fahrzeugflotte. "Wir haben von der Industrie bislang fast nie Züge geliefert bekommen, die auch das geleistet haben, wofür wir bezahlt haben", sagte Grube dem Magazin "Stern".
Denn die Bahn hat nicht nur Probleme mit überlasteten Klimaanlagen des ICE 2. Nachdem im Juli 2008 ein Schnellzug wegen eines Achsenbruchs in Köln entgleist war, müssten die Radachsen bei zwei weiteren ICE-Modellen häufiger überprüft werden. Die zusätzlichen Kontrollen raubten Wartungskapazitäten, hieß es.
Laut einem Bericht des ZDF sollen in einem Zug, in dem am 10. Juni mehrere Schüler kollabierten, Temperaturen von bis zu 70 Grad gemessen worden sein. Dies wies die Bahn zurück - die höchste Messung habe 61 Grad betragen und sei nicht im Passagierabteil erfolgt, sondern an einem Aggregat unterhalb des Zuges.
Laut dem ZDF-Bericht hatte die Bahn kürzlich noch mit weiteren technischen Störungen zu kämpfen. So seien etwa am vergangenen Freitag mehr als 200 Störfälle bei Signalen, Weichen und in Stellwerken aufgetreten, berichtete das Magazin unter Berufung auf interne Unterlagen der Deutschen Bahn. Davon seien 670 Züge betroffen gewesen. Ohne S-Bahnen sind in Deutschland täglich rund 2200 Personenzüge unterwegs. Die Bahn erwiderte, tatsächlich sei es am Freitag "aufgrund der Witterungsverhältnisse" vermehrt zu Störungen im Schienennetz gekommen.
Konzernchef Grube machte Bahnkunden wenig Hoffnung auf eine baldige Verbesserung der Situation. Derzeit würden alle Züge eingesetzt, weshalb bei Ausfällen kein Zug mehr in Reserve gehalten werde. "Früher konnten wir jeden zehnten Zug in Reserve halten", sagte Grube dem "Stern". Wenn heute ein Zug ausfalle, "haben wir bei den ICE eben kaum noch Ersatz".
Seit am 10. Juli in Bielefeld ein ICE nach dem Ausfall der Kühlung gestoppt wurde und mehrere Schüler wegen der Hitze ins Krankenhaus mussten, kam es zu zahlreichen ähnlichen Defekten in der Sommerhitze. An den folgenden Tagen wurden rund 50 Fälle defekter Klimaanlagen in Fernzügen bekannt, vor allem das Modell ICE 2 war betroffen.
Dabei wurde auch das Verhalten einiger Bahnmitarbeiter kritisiert. Gegen den Zugchef des in Bielefeld gestoppten ICE ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf fahrlässige Körperverletzung und unterlassene Hilfeleistung. Es geht um die Frage, ob der Mann den Zug früher hätte anhalten müssen.